Möbel stehen im ersten Arbeitsplan der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), den die Europäische Kommission am 16. April 2025 angenommen hat, neben Textilien, Matratzen, Reifen, Eisen und Stahl sowie Aluminium. Nach diesem Plan wird der delegierte Rechtsakt für Möbel indikativ für etwa 2028 erwartet, nach einer Vorstudie der Gemeinsamen Forschungsstelle und einer Konsultation des Ökodesign-Forums. Die Daten im Arbeitsplan sind indikativ, keine rechtsverbindlichen Fristen - der verbindliche Zeitplan entsteht erst, wenn der möbelspezifische delegierte Rechtsakt nach Artikel 4 der Verordnung (EU) 2024/1781 veröffentlicht wird - aber die Richtung steht fest und die Datenanforderungen sind heute absehbar. Sobald der delegierte Rechtsakt nach einer Übergangsfrist in Kraft tritt, muss jedes erfasste Innen- oder Außenmöbel, das auf den EU-Markt gebracht wird, einen maschinenlesbaren digitalen Produktpass tragen. Möbel sind eine der anspruchsvolleren DPP-Kategorien, weil ein einzelnes Produkt ein Materialverbund ist: Massivholz und Holzwerkstoffplatten, Metallrahmen, Schaumstoff- und Textilpolster, Klebstoffe und Beschichtungen, Kunststoffverbinder und Gleiter. Jeder dieser Materialströme bringt eigene Offenlegungspflichten mit - die FSC- oder PEFC-Produktkette für das Holz, die Formaldehyd-Emissionsklasse der Spanplatte, den VOC-Gehalt des Lacks, den Rezyklatanteil des Stahl- oder Aluminiumrahmens und den Demontage- und Verwertungspfad am Lebensende. Ein Pass, der nur die fertige Variante erfasst und die Stückliste ignoriert, übersteht keine Konformitätsbewertung. Dieser Pillar ist die Referenz für Verantwortliche in Beschaffung, Nachhaltigkeit und Produkt-Compliance bei Möbelmarken, Contract- und Hotellerie-Ausstattern sowie Büromöbelherstellern, die 2026 und 2027 Plattformverträge unterzeichnen und eine Pass-Architektur brauchen, die noch konform ist, wenn der delegierte Rechtsakt für Möbel kommt. Wir behandeln den Möbel-DPP nicht als Compliance-Häkchen, sondern als operatives Rückgrat für Kreislaufwirtschaft, Berichterstattung zur erweiterten Herstellerverantwortung, Reparatur- und Ersatzteildienste sowie Wiederverkauf - die Hebel, die aus einer Transparenzpflicht einen Wettbewerbsvorteil machen.