Welche Produkte brauchen einen Digitalen Produktpass?
Ein sektorweiser Blick darauf, welche Produkte unter den EU-Digitalen-Produktpass fallen - auf Basis des ESPR-Arbeitsplans 2025-2030 und der Batterieverordnung.
Die kurze Antwort
Kein Produkt braucht heute allein wegen der ESPR einen Digitalen Produktpass (DPP). Die Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (EU) 2024/1781 ist ein Rahmenwerk. Sie schreibt für sich genommen keinen DPP vor. Eine Produktgruppe unterliegt erst dann einem DPP, wenn die Europäische Kommission einen delegierten Rechtsakt für diese Gruppe erlässt. Die einzige bereits per separatem Gesetz festgelegte Ausnahme sind Batterien: Hier setzt die Batterieverordnung (EU) 2023/1542 ein verbindliches Datum auf den 18. Februar 2027.
Die eigentliche Frage lautet also: Wann erhält meine Produktgruppe ihren delegierten Rechtsakt, und was verlangt dieser? Dieser Leitfaden zeigt das anhand des ESPR-Arbeitsplans 2025-2030 und der Batterieverordnung.
Wie die ESPR entscheidet, welche Produkte einen DPP brauchen
Die ESPR ersetzte die alte Ökodesign-Richtlinie und erweiterte den Anwendungsbereich von energieverbrauchsrelevanten Produkten auf nahezu alle physischen Waren auf dem EU-Markt. Die Mechanik ist einfach:
- Die Kommission veröffentlicht einen mehrjährigen Arbeitsplan mit prioritären Produktgruppen.
- Für jede Gruppe entwirft sie einen delegierten Rechtsakt mit Ökodesign- und DPP-Anforderungen.
- Sobald ein delegierter Rechtsakt gilt, muss jedes Produkt dieser Gruppe auf dem EU-Markt einen konformen DPP tragen.
Der erste Arbeitsplan wurde am 16. April 2025 angenommen und läuft bis 2030. Die darin genannten Daten sind indikativ - sie zeigen Absicht und Reihenfolge, nicht verbindliche Pflichten. Behandeln Sie sie als Planungsanker, nicht als Fristen.
Prioritäre Produktgruppen im Arbeitsplan 2025-2030
Der Arbeitsplan nennt mehrere prioritäre Gruppen. Die für die DPP-Planung wichtigsten stehen unten, mit indikativer Zeitangabe, wann delegierte Rechtsakte voraussichtlich erlassen werden. Die Anwendung (der Termin, ab dem Produkte tatsächlich konform sein müssen) folgt der Annahme typischerweise nach etwa 18 bis 24 Monaten.
| Produktgruppe | Indikativer Rechtsakt | DPP erwartet |
|---|---|---|
| Eisen und Stahl | Zuerst in der Reihenfolge (~2026) | Ja |
| Textilien und Bekleidung | ~2027 | Ja |
| Möbel und Matratzen | ~2027-2028 | Ja |
| Reifen | ~2027 | Ja |
| Aluminium | ~2027-2028 | Ja |
Horizontale Maßnahmen (etwa Regeln zur Reparierbarkeitsbewertung und zu unverkauften Verbrauchsgütern) stehen neben diesen gruppenspezifischen Akten. Wortlaut und Zeitplan jedes Akts können sich während der Prüfung verschieben - beobachten Sie daher den offiziellen Arbeitsplan statt sekundärer Zusammenfassungen.
Batterien: die einzige verbindliche Frist
Batterien warten nicht auf einen ESPR-Rechtsakt. Nach der Batterieverordnung (EU) 2023/1542 wird ein Batteriepass am 18. Februar 2027 verpflichtend für:
- EV-Batterien (Traktionsbatterien für Elektrofahrzeuge)
- LMT-Batterien (leichte Verkehrsmittel - E-Bikes, E-Scooter)
- Industriebatterien mit einer Kapazität über 2 kWh
Dies ist ein verbindlicher Anwendungstermin direkt in der Verordnung. Wenn Sie diese Batterien herstellen, montieren, importieren oder auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, gilt der Termin 2027 für Sie. Siehe unseren Batteriepass-Leitfaden und den Live-Fristen-Tracker.
Schnelltest: Braucht mein Produkt einen DPP?
Arbeiten Sie diese der Reihe nach durch:
- Ist es eine Batterie (EV, LMT oder industriell über 2 kWh)? Falls ja, haben Sie eine verbindliche Pflicht für 2027. Hier aufhören.
- Gehört es zu einer genannten ESPR-Prioritätsgruppe (Textilien, Möbel, Reifen, Eisen und Stahl, Aluminium)? Falls ja, ist ein DPP zu erwarten, sobald der Rechtsakt dieser Gruppe gilt. Beginnen Sie jetzt mit der Vorbereitung.
- Ist es ein physisches Produkt auf dem EU-Markt, aber noch nicht genannt? Fast alles fällt letztlich in den ESPR-Rahmen. Sie sind wahrscheinlich in einer späteren Welle. Verfolgen Sie die nächste Arbeitsplan-Überarbeitung.
- Ist es ausdrücklich ausgenommen (z. B. Lebensmittel, Futtermittel, Arzneimittel, lebende Organismen)? Diese liegen außerhalb des ESPR-Anwendungsbereichs.
Was "im Anwendungsbereich" tatsächlich verlangt
Wenn der Rechtsakt Ihrer Produktgruppe gilt, muss der DPP typischerweise eine eindeutige Produktkennung, einen Datenträger (QR-Code oder NFC) und einen definierten Satz von Datenfeldern tragen - CO2-Fußabdruck, Materialien und besorgniserregende Stoffe, Recyclinganteil, Reparierbarkeit und Informationen zum Lebensende. Die vollständige Feldliste schlüsseln wir in unserer DPP-Anforderungs-Checkliste auf.
Warum vorbereiten, bevor Ihr Rechtsakt kommt
Die Daten hinter einem DPP - Lieferantenangaben, CO2-Fußabdruck, Materialzusammensetzung - brauchen Monate, besonders über mehrstufige Lieferketten. Wer auf die Veröffentlichung des Rechtsakts wartet, beginnt den schwierigsten Teil mit der wenigsten Zeit. Frühe Anwender machen aus denselben Daten ein Marketing- und Betriebsasset statt einer Last-Minute-Hektik.
Wer in mehrere Prioritätsgruppen verkauft (etwa Textilien und Möbel), profitiert von erheblicher Überschneidung bei Daten und Werkzeugen. Eine einzige DPP-Fähigkeit jetzt aufzubauen zahlt sich über jeden künftigen Akt aus.
Wo DPPAutomate hineinpasst
DPPAutomate gleicht Ihr Produktportfolio mit dem aktuellen ESPR-Arbeitsplan und der Batterieverordnung ab, markiert, welche SKUs in welche Welle fallen, und automatisiert Datenerfassung und Passerstellung, sobald ein Akt gilt. Sie starten mit einem klaren Bild Ihrer Betroffenheit statt einer Vermutung.
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